Lektionen · Anfänger
Intervalle in der Musik erklärt - Namen, Halbtöne, Umkehrung
Wie du jedes Intervall benennst, seine Halbtöne zählst, es umkehrst und es nach Gehör und auf deinem Instrument erkennst.
Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen. Jede Melodie ist eine Kette von Intervallen, und jeder Akkord ist ein Stapel davon. Wenn du Intervalle verstehst, lassen sich Tonleitern und Akkorde leicht aufbauen, und du beginnst zu hören, warum Musik so klingt, wie sie klingt.
Zwei Töne, die nacheinander erklingen, bilden ein melodisches Intervall; erklingen sie zusammen, ein harmonisches Intervall.
Die zwei Teile eines Intervallnamens
Jeder Intervallname besteht aus zwei Teilen: einer Zahl und einer Qualität. Zum Beispiel „große Terz" oder „reine Quinte".
Schritt 1: die Zahl (Buchstaben zählen)
Zähle die Buchstabennamen vom unteren zum oberen Ton, beide eingeschlossen. Ignoriere dabei zunächst Kreuze und Be.
- C bis E: C, D, E = Terz
- C bis G: C, D, E, F, G = Quinte
- D bis C: D, E, F, G, A, H, C = Septime
- Gleicher Ton zum gleichen Ton = Prim; C zum nächsten C = Oktave (8.)
Im Notensystem ist das leicht zu sehen: Von Linie zur nächsten Linie ist eine Terz, von Linie zum nächsten Zwischenraum eine Sekunde und so weiter.
Schritt 2: die Qualität (Halbtöne zählen)
Die Qualität sagt dir die genaue Größe. Intervalle gehören zu zwei Familien:
- Reine Intervalle: Prim, Quarte, Quinte, Oktave.
- Große / kleine Intervalle: Sekunde, Terz, Sexte, Septime. Klein ist einen Halbton kleiner als groß.
Beide Familien können außerdem übermäßig (einen Halbton größer als rein oder groß) oder vermindert (einen Halbton kleiner als rein oder klein) sein.
Intervall-Tabelle mit Halbtonzahlen
Diese Tabelle solltest du auswendig kennen. Die Beispiele sind von C aus aufwärts gemessen.
| Halbtöne | Intervall | Kurzname | Von C |
|---|---|---|---|
| 0 | Reine Prim | P1 | C – C |
| 1 | Kleine Sekunde | m2 | C – Des |
| 2 | Große Sekunde | M2 | C – D |
| 3 | Kleine Terz | m3 | C – Es |
| 4 | Große Terz | M3 | C – E |
| 5 | Reine Quarte | P4 | C – F |
| 6 | Übermäßige Quarte / verminderte Quinte (Tritonus) | TT | C – Fis / C – Ges |
| 7 | Reine Quinte | P5 | C – G |
| 8 | Kleine Sexte | m6 | C – As |
| 9 | Große Sexte | M6 | C – A |
| 10 | Kleine Septime | m7 | C – B |
| 11 | Große Septime | M7 | C – H |
| 12 | Reine Oktave | P8 | C – C |
Warum die Schreibweise zählt
C nach Fis und C nach Ges klingen identisch (6 Halbtöne), sind aber verschiedene Intervalle: C–Fis ist eine übermäßige Quarte (C, D, E, F = vier Buchstaben) und C–Ges ist eine verminderte Quinte (C, D, E, F, G = fünf Buchstaben). Genauso ist C–Gis eine übermäßige Quinte, während C–As eine kleine Sexte ist, beide mit 8 Halbtönen. Die Buchstabenzahl verrät dir, welcher Name richtig ist, und der richtige Name verrät dir, welche Funktion der Ton in einem Akkord oder einer Tonleiter hat.
Intervalle umkehren
Um ein Intervall umzukehren, setze den unteren Ton eine Oktave höher (oder den oberen eine Oktave tiefer). C–E wird zu E–C.
Zwei Regeln machen Umkehrungen sofort berechenbar:
- Die Zahlen ergeben zusammen 9: Aus einer Terz wird eine Sexte, aus einer Sekunde eine Septime, aus einer Quarte eine Quinte.
- Die Qualität kehrt sich um: groß ↔ klein, übermäßig ↔ vermindert, rein bleibt rein.
| Intervall | Umkehrung | Halbtöne (ergeben 12) |
|---|---|---|
| m2 | M7 | 1 + 11 |
| M2 | m7 | 2 + 10 |
| m3 | M6 | 3 + 9 |
| M3 | m6 | 4 + 8 |
| P4 | P5 | 5 + 7 |
| A4 | d5 | 6 + 6 |
Beispiele: C aufwärts nach E ist eine große Terz, also ist E aufwärts nach C eine kleine Sexte. G aufwärts nach C ist eine reine Quarte, weil C aufwärts nach G eine reine Quinte ist.
Umkehrungen sind eine praktische Abkürzung: Eine große Septime ist schwer zu zählen, aber „einen Halbton unter der Oktave" ist leicht.
Zusammengesetzte Intervalle
Intervalle, die größer als eine Oktave sind, heißen weite Intervalle (zusammengesetzte Intervalle). Ziehe 7 von der Zahl ab, um das einfache Intervall zu finden: Eine None ist eine Sekunde plus eine Oktave, eine Dezime ist eine Terz plus eine Oktave. Akkordnamen nutzen sie: Die „9" in C9 ist D, eine große None über C.
Konsonanz und Dissonanz
Manche Intervalle klingen stabil und verschmolzen (konsonant), andere gespannt und bewegungsfreudig (dissonant). Es geht dabei um Stabilität, nicht um „gut" und „schlecht": Musik braucht beides.
| Kategorie | Intervalle | Charakter |
|---|---|---|
| Vollkommene Konsonanzen | P1, P8, P5 | hohl, sehr stabil |
| Unvollkommene Konsonanzen | M3, m3, M6, m6 | süß, voll |
| Kontextabhängig | P4 | stabil über einem Bass, in der klassischen Harmonik gespannt oberhalb des Basses |
| Milde Dissonanzen | M2, m7 | offene Spannung |
| Scharfe Dissonanzen | m2, M7, TT | starke Spannung, will sich auflösen |
Der Tritonus im Dominantseptakkord (in G7 die Töne H und F) ist die Hauptquelle der Spannung, die zurück zum Tonika-Akkord zieht.
Intervalle nach Gehör erkennen
Die zuverlässigste Methode, die nicht vom Auswendiglernen von Melodien abhängt, ist die Tonleitermethode: Singe eine Dur-Tonleiter vom unteren Ton aus und achte darauf, welcher Stufe der obere Ton entspricht.
- M2 = do–re, der erste Schritt einer Dur-Tonleiter
- M3 = do–mi, der helle Klang der unteren beiden Töne eines Durakkords
- P4 = do–fa, kraftvoll und offen, oft als „Ruf" nach oben gehört
- P5 = do–sol, hohl und mächtig, der Powerchord-Klang
- M6 = do–la, weit und warm
- M7 = do–ti, einen Schritt vor der Oktave, sehr gespannt
- P8 = do–do, derselbe Ton höher
Lerne dann die Mollversionen als „einen Halbton enger": m3 klingt dunkler als M3, m2 klingt wie ein gespannter Halbton, m7 klingt wie die Spitze eines Dominantseptakkords.
Übe in kurzen täglichen Einheiten mit dem Gehörbildungs-Trainer. Beginne mit nur zwei Intervallen (zum Beispiel P5 und M3) und nimm ein neues dazu, wenn du über 90 % erreichst.
Intervalle auf dem Klavier
Zähle jede Taste, schwarz und weiß, vom unteren zum oberen Ton: Jeder Schritt ist ein Halbton. Benenne das Intervall dann nach der Buchstabenzahl. Beispiel: Von D aus zähle vier Tasten aufwärts (Dis, E, F, Fis) bis Fis. Vier Halbtöne und drei Buchstaben (D, E, F) = große Terz.
Intervalle auf der Gitarre
Auf einer Saite ist jeder Bund ein Halbton, das Intervall entspricht also der Zahl der Bünde.
Über benachbarte Saiten in Standardstimmung (außer zwischen der G- und der H-Saite) sind die Formen immer gleich. Gemessen von einem Ton auf der tieferen Saite zu einem Ton auf der nächsthöheren Saite:
| Bundposition auf der nächsten Saite | Intervall |
|---|---|
| 2 Bünde tiefer | kleine Terz |
| 1 Bund tiefer | große Terz |
| gleicher Bund | reine Quarte |
| 1 Bund höher | Tritonus |
| 2 Bünde höher | reine Quinte |
Zwischen der G- und der H-Saite verschiebt sich alles um einen Bund nach oben (weil dieses Paar in einer großen Terz gestimmt ist, nicht in einer Quarte). Die Oktave liegt zwei Saiten höher und zwei Bünde höher, oder drei Bünde höher, wenn das G-H-Paar überquert wird.
Auf dem Bass
Die vier Basssaiten (E A D G) liegen alle eine reine Quarte auseinander, daher gilt die Tabelle oben auf jedem Saitenpaar ohne Ausnahme. Bassisten benutzen ständig ein paar Formen: Die reine Quinte liegt eine Saite höher und zwei Bünde höher, die Oktave zwei Saiten höher und zwei Bünde höher, und die reine Quarte abwärts liegt im selben Bund auf der nächsttieferen Saite.
Diese Formen sind die Bausteine von Grundton-Quinte-Linien und Arpeggien: siehe Arpeggien auf dem Bass.
Üben
- Benenne diese Intervalle nach Zahl und Qualität: C–A, E–G, F–H, D–B, A–E, H–F.
- Baue das Intervall über jedem Ton: M3 über Es, P5 über H, m7 über D, M6 über F, TT über C.
- Kehre jedes Intervall aus Aufgabe 1 um und benenne das Ergebnis.
- Finde auf Gitarre oder Klavier eine reine Quinte, eine große Terz und eine kleine Terz von fünf verschiedenen Ausgangstönen aus.
- Verbringe täglich fünf Minuten mit dem Gehörbildungs-Trainer und beginne mit P5 gegen M3.
Nächste Schritte:
- Arbeitsblätter: Intervalle 1, Intervalle 2 und Intervalle 3.
- Drucke die Intervall-Übersicht aus.
- Entdecke einzelne Intervalle: reine Quinte, große Terz, Tritonus.
- Lektionen: Die Dur-Tonleiter, Dreiklänge und Gehörbildung.
- Folge dem Gehörbildungs-Pfad für eine strukturierte Routine.